Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 29. Januar 2002

Die Messe im Wandel der Zeiten

Konzert des Thüringischen Akademischen Singkreises

Von Sybille Graf

Seit Ilse Krüger 1998 die Leitung des Thüringischen Akademischen Singkreises (TASK) übernahm, profiliert der Chor erklärtermaßen die zeitgenössische Seite seines Repertoires. Und er tut dies, wie beim Konzert in der Dreikönigskirche zu hören war, erfolgreich und in spannenden Programmen. Das aktuelle widmet sich der "missa im Wandel der Zeiten", stellt die Entwicklung der Messe über die Jahrhunderte in den Mittelpunkt.

Das begann mit dem Kyrie aus der "Messe de Nostre Dame" von Machaut, die, um 1340 entstanden, als erste vollständige, mehrstimmige Messvertonung gilt. Vermutlich mit dem Ansinnen, die Isorhythmie besonders gut herauszuarbeiten, setzte Ilse Krüger auf eine extrem markante, fast schroffe Diktion. So wirkte die ungemein bewegte Klanglichkeit wie verfremdet gewöhnungsbedürftig, aber konsequent durchgehalten. Der Gang durch die Zeit ging weiter mit Palestrina und Rheinberger und endete mit dem vielleicht nicht bis ins letzte Äderchen pulsenden, trotzdem in großer Dichte gebotenen Agnus Dei aus Frank Martins "Messe für zweistimmige Chöre".

Zwischen den Messteilen bot der TASK inhaltlich korrespondierende, "freie" Kompositionen. Deren erste und das Konzert eröffnende war ein "Miserere" von William Byrd, gleich eine schöne Visitenkarte für den gemeinsamen Atem, den der Chor trotz "nur" projektbezogenen, mithin unregelmäßigen Arbeitens zu entwickeln versteht. Aus diesem entsteht stets ein runder, in sich ausgewogener Klang, vielleicht in ein, zwei Momenten nicht hundertprozentig geschlossen, aber getragen von hoch qualifizierten Stimmen und gekennzeichnet durch einen Hauch eher dunklen Timbres. Ilse Krüger steht dem mit großer Agilität vor, formt stets gut durchhörbare Interpretationen.

So beeindruckte im 1981 komponierten "De profundis" von Joszef Karai, wie sich immer wieder punktuelle Tonalität aus großen Klangflächen löste, wie die bewusst geprägten deklamatorischen Teile in schönem Kontrast dazu standen. Changierende Klanglichkeit erlebte man auch in Knut Nystedts "Immortal Bach", einer Choralimprovisation über "Komm, süßer Tod", in der mit der Akkordik der Bach'schen Vorlage gespielt wird. Spannungsvoll gesungen schloss sich Regers "O Tod, wie bitter bist du" an. Die Sänger legten alle Energie in die scharfen Dissonanzen, setzten einen milden zweiten Teil ("O Tod, wie wohl tust du") dagegen.

Nicht vergessen sei der Organist Johannes Unger, mehrfacher Preisträger internationaler Wettbewerbe, der regelmäßig die TASK- Programme abrundet. In der Dreikönigskirche spielte der 25-Jährige sehr expressiv die Passacaglia c-Moll BWV 582 von Bach, sowie, wunderbar prägnant und charakteristisch, vier kurze Stücke von Jehan Alain.