Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 10. Februar 2003

Siehe, ich mache alles neu

Konzert des Thüringischen Akademischen Singkreises

Von M. Hanns

Der jetzt unter Leitung von Ilse Krüger stehende Thüringische Akademische Singkreis (TASK) war mit einem außergewöhnlichen und überlegtem Programm aus Anlass des 13. Februar nach Dresden gekommen. Ausgehend von der uralten Antiphon aus dem 11. Jahrhundert »Media vita in morte sumus« (das von den Männerstimmen mit glasklarer Brillianz zelebriert wurde) entspannten sich in der Dreikönigskirche musikalische Betrachtungen über »Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen« von großer stilistischer Vielfalt. Der Chor meisterte die überaus diffizilen und sehr unterschiedlichen Anforderungen höchsten musikalischen Ansprüchen genügend. Basis dafür waren das hörbare Engagement der Choristen, vor allem aber die vorzügliche Homogenität, erlesene Pianokultur und intonatorische Sicherheit des Ensembles.

Nach einem Ausschnitt aus Distlers Mörike-Chorliederbuch und zwei konstrastreich dargebotenen Liedern aus Brahms' Opus 104 sollte die Kantate »Un soir de neige« von Francis Poulenc den herausragenden Abschluß des weltlichen Konzertteils bilden. In klug und wirkungsvoll strukturierter Sechsstimmigkeit erlebt man sehr intime, klanglich dichte Vertonungen von Gedichten Paul Eluards, die sich – 1944 entstanden – in bizarren, sehr persönlichen Bildern mit dem Erlebnis des Krieges auseinandersetzen und als Beitrag für die französische Resistance gedacht waren.

Im geistlichen Abschnitt des Abends lauschte man der tonlich makellosen Wiedergabe des kunstvollen 6. Psalms aus den Bußpsalmen des tief im 16. Jahrhundert verwurzelten Venezianers Andrea Gabrieli, unmittelbar gefolgt von einer reizvoll aufgebauten Kodaly-Motette aus dem Jahre 1960. In prägnanter Weise rezitierte der Chorsopran den Text »Media vita in morte sumus« über liegenden Akkorden. Mendelssohns große achtstimmige, gleichnamige Motette durfte sich in aller Klangpracht und Vitalität entfalten.

Den stärksten Eindruck hinterließ die 1981 entstandene Motette »And I saw a new heaven and a new earth« von Sven-David Sandström, der sich in intensiver, textlich stark gebundener Weise mit der Offenbarung des Johannes beschäftigt. Die Präzision und Brisanz, mit der sich der Chor den symbolträchtigen Klangballungen widmete und dem durchaus heiklen Kompositionsstil entsprach, die Deutlichkeit und der Nachdruck der Textauslegung nötigten Hochachtung ab. In sorgfältigster Artikulation und Disziplin ließ man die Verheißungswiederholungen »Siehe, ich mache alles neu« ganz still in sich versinken. Zwei stimmungsvolle Reger-Sätze »Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit« und »Die Nacht ist kommen« beendeten das Konzert.

Ist Schumanns balladeske Tondichtung »Kreisleriana« op. 16 aus dem Standardrepertoire von Pianisten nicht wegzudenken (die ersten beiden Sätze erfuhren durch Johannes Unger eine in feinen Differenzierungen glänzende, lichte Wiedergabe), so ist das mit den reinen Orgelwerke von Camille Saint-Saëns etwas anders. Hier wurde man von einer farbenprächtigen, kraftvollen Interpretation von Präludium und Fuge Es-Dur überrascht.