Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Schwäbische Post, 22. Juli 2003

Faszinierende Stimmen wandern durch Licht und Dunkel

Thomas Hampus

CHORKONZERT / Der Thüringische Akademische Singkreis gastierte in der evangelischen Stadtkirche Ellwangen und in der Salvatorkirche Aalen

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Foto: Thomas Hampus

Vorzügliche Chöre kennt man in der Reihe der Konzerte in der evangelischen Stadtkirche von Ellwangen schon in der Vergangenheit. Die Stimmen des Maulbronner Kammerchores scheinen gerade erst verklungen zu sein, da wird mit dem Thüringischen Akademischen Singkreis neuerlich ein faszinierender Akzent der Chormusik gesetzt. Am Sonntag sang der Chor in der Salvatorkirche Aalen.

Das Thema "Licht & Dunkel" wurde schon in einer gregorianischen Antiphon mit dem Text "Media vita in morte sumus" gekonnt aufgenommen; derselbe Text später in dem 1961 geschaffenen, durch seine vielen Halbtonschritte recht romantisch wirkenden Satz Zoltán Kodálys nochmals interpretiert. Wie geschickt die Programmgestaltung war, erwies sich gerade beim Übergang des Kodály-Chores zur Romantik von Mendelssohn-Bartholdys Vertonung des 22. Psalms "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen" und dem durchaus noch spätromantisch daherkommenden Agnus Dei aus Frank Martins "Messe für zwei vierstimmige Chöre".

Aus dieser Messe des schweizerischen Komponisten stand am Anfang nach den gregorianischen Klängen, die von den Männern des Chores gesungen, auch wegen des absolut reinen Unisonos faszinierten, aus derselben Messe das "Kyrie", das nach der schlichter erscheinenden Antiphon geradezu einen satten Klang im Kirchenraum schuf. Klang, das war ohnehin in allen denkbaren Parametern eine Stärke der Thüringer. Der Chor bot auch in leisesten Pianissimopartien ein selten großes Volumen, bestach durch seine enorme Bandbreite zwischen schwarzem Bass und mädchenleicht geführtem Sopran in den Höhen. Technisch überzeugte der Singkreis durch eine makellos gestaltete Aussprache ebenso wie auch bei absolut kongruenten Glissandi aller Stimmen nach unten in Jószef Karais "De profundis". Auch mit dem heftigen Zeitensprung zu "Herzlich lieb hab ich dich, o Herr" von Heinrich Schütz, SWV 387, hatten die 18 Herren und 15 Damen keine Probleme, die Sprachqualität erwies sich mit ihrem absoluten Spitzenniveau hier - ebenso wie bei der Sprechgesangstelle am Schluss von "De fundis" - als kleines Wunder. Stets wurde dynamisch hochfein gearbeitet. Ilse Krüger führte ihren Chor mit sehr deutlichem, manchmal beinahe zu lebhaftem Dirigat, das die Stimmen auch zu filigraner Arbeit in der Bachschen Motette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" trotz schnell gewähltem Tempo veranlasste. Dem dynamisch frisch-lebendigen Schlusschoral ging in der Motette geradezu tänzerische Leichtigkeit voran, die sich ihrerseits in Mendelssohn-Bartholdys "Der 22. Psalm" wiederholte. Martins abschließendes "Agnus dei qui tollis pecata mundi" wurde nicht nur wegen der schwer schreitenden Komposition sondern der excellenten Interpretation ein Faszinosum.

Etwas eigenwillig, mit ausgeprägten Vorhalten und extremer Agogik und hohem Tempo ging Johannes Unger die Toccata BWV 565 an, und vollendete das Werk mit der flott gespielten Fuge, das sensibel im Pedal registriert war und erst in der zweiten Hälfte kräftig brillant - auch mit Zungen - aufblühte. Fast von fröhlicher Unbeschwertheit erschien Camille Saint-Saens Präludium und Fuge in E, während diese Kombination in Es aus dem gleichen Opus mit seiner prallen Lebendigkeit geradezu den Gegensatz verkörperte. Unger machte tolle Orgelmusik zu toller Chormusik!