Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 1. Dezember 2003

Romantische Spannung

Beeindruckendes Chorkonzert in der Kirche Kreischa

Von Heinz Weber

Eine Wiederbegegnung mit jemandem, dem man schon einmal einen unvergesslichen Abend verdankte, ist stets erfreulich. Diesmal war es Ilse Krüger, die Leiterin des »Thüringischen Akademischen Singkreises«, die vom Robert-Schumann-Verein eingeladen war, am Sonnabend in der Kreischaer Kirche Kreischa ein vorweihnachtliches Programm zu dirigieren.

Frau Krüger ist eine hervorragende Chorerzieherin und eine souveräne Dirigentin, die es versteht, die Sänger zu sehr beachtlichen Leistungen zu führen. Sie gibt jedem verständliche Impulse und Atemzäsuren, sie modelliert mit ihren ausdrucksstarken Händen eine jede Phrase und gestaltet Getragenes ebenso wie Temperamentvolles.

Das Programm war kontrastreich. Die Dirigentin moderierte selbst und brachte gleich zu Beginn ein deutsches Magnificat, einmal von Heinrich Schütz und dann vom 400 Jahre später lebenden Arvo Pärt, den Ilse Krüger mit blitzsauberer Intonation beeindruckend dargestellt hat. Johannes Brahms hat so viele schöne a capella-Gesänge geschrieben. Man hört sie viel zu selten. Von ihm zum Vortrag kam »O Heiland, reiß die Himmel auf«, jede Strophe ihrem Inhalt entsprechend voll romantischer Spannung interpretiert.

Sodann gab Bach-Preisträger Johannes Unger eine Bach’sche Choralbearbeitung über »Nun kommt der Heiden Heiland« mit farbiger Registrierung. Und der Chor überraschte mit zwei zauberhaften Weihnachts-Motetten von Francis Poulenc, dessen Idol ja Strawinsky war. Wie strahlend kam das »Gloria in Excelsis Deo«!

Der Kreischaer Pfarrer Gerhardt Uhle sang nicht nur im Chor mit (er ist ein ehemaliger Kruzianer), er las auch einen Absatz über Rudolf Mauersberger, dem langjährigen Kreuzkantor, von dem die 1943 komponierte Kantate »Der kleine Melchior und das Weihnachtskind« erklang. Der Text ist von Kurt Arnold Findeisen. Das nicht leicht zu bewältigende Werk charakterisiert jeden Satz eindrucksvoll und wurde vom Chor ebenso gestaltet, am elektronischen Klavier ganz ausgezeichnet begleitet von Johannes Unger. Welch ein einschmeichelnder Schluss! Das zahlreich erschienene Publikum spendete lang anhaltenden Applaus.