Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 24. Juli 2004

Chorkonzert in der Dippser Nikolaikirche

von Heinz Weber

Es gibt nur ganz wenige Chormeister, die man als herausragende Persönlichkeiten bezeichnen kann. Ilse Krüger zählt zu ihnen. Der von ihr seit 1998 geleitete "Thüringische Akademische Singkreis" konzertierte am Mittwoch in der altehrwürdigen Nikolaikirche zu Dippoldiswalde mit einem Programm vokaler Kirchenmusik, eine Freude auslösende Wiederbegegnung.

Wir hörten zunächst Motetten von Johann Walther (1496-1570) und Joh. Hermann Schedin (1586-1630), voll homogenen Wohlklanges, alles sauber intoniert und mit wunderschön herausgearbeiteten Echostellen. Ilse Krüger agiert wie eine Magierin vor ihrem Chor. Ihre ausdrucksstarken Hände modellieren eine jede Phrase. Sie schaffte auch bei ihrem diesmaligen Auftreten packende Gegensätze (Schein!) und sie gab großartige Impulse. Sie hat ein untrügerisches Gespür für die Länge ihrer Zäsur, einer Pause.

Vom aus Genf stammenden Frank Martin (1890-1974) folgte ein Credo aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre, ein hinreißendes Stück Musik, ausdrucksstark und dynamisch interpretiert.

Der mit dem Kammerchor, über dessen Probenpraxis in der Vorankündigung des Konzerts Interessantes zu lesen war, zusammenarbeitende Johannes Unger steuerte ein Präludium von Dietrich Buxtehude bei. Der junge Organist, ein exzellenter Techniker, verstand es, sehr lebendig zu musizieren. Naturgemäß sind auf dem kleinen Orgel-Portativ nur beschränkte Registrierungsmöglichkeiten gegeben, wie auch späterhin bei einem "Voluntary" des englischen Altmeisters Henry Purcell. Unger ließ die barocke Ornamentik nur so perlen.

Zuvor war noch Johann Sebastian Bachs Motette "Lobet den Herrn" erklungen, voller Jubel und absolut stilsicher vorgetragen. Es ist überhaupt bewundernswert, wie der relativ kleine Chor, derzeit auf der jährlichen Konzertreise, seiner Chefin profihaft folgt.

Den Schlussteil des Konzerts bildeten sehr gegensätzliche Werke: ein "Pater noster" von Jacobus Gallus (1550-1591), ein kontrapunktisch verwobener Wechselgesang zwischen einem Frauen- und einem Männerchor. So dann ein "Ave Maria" des Großmeisters der "Klassischen Moderne", Igor Stravinsky, eine ganz eigene Welt des Klanges, durchaus fast orthodox anmutend. Schließlich Franz Liszt's "Vater unser", ein Werk der sehr späten Romantik, einmal mit religiöser Innigkeit, dann wieder mit Kraftfülle interpretiert. Großartig, wie Ilse Krüger in Sekundenschnelle von einem Kompositionsstil zum andern umschalten kann.