Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 26. Juli 2004

Junge Sänger ganz professionell

Thüringische Akademie Singkreis musiziert in St. Afra-Kirche

von Markus Brühl

Der „Thüringische Akademische Singkreis“ brachte am Sonnabendabend sein Programm „Ein feste Burg“ in der St. Afra-Kirche zu Gehör. Die 25 Sängerinnen und Sänger des 1969 von Wolfgang Unger gegründeten Kammerchores sind heute nicht mehr ausschließlich in den thüringischen Universitäten zu Hause, sondern verteilen sich nahezu über die gesamte Republik. Unter der Leitung von Ilse Krüger finden sie sich regelmäßig zu Probenwochenenden, CD-Aufnahmen und jährlich einer Konzertreise zusammen. Dass sie dabei auch Meißen besuchten, ehrt die Stadt. Äußerste stimmliche Homogenität, präzise Intonation und ein inhaltlich klug strukturiertes Programm zeichnete das leider nur durchschnittlich besuchte Konzert aus. Begonnen wurde der erste Konzertteil von Vertonungen des Lutherliedes und des lateinischen Credo aus den Federn von Samuel Scheidt und Johann Walther, frühen protestantischen Komponisten, die mit ihren Werken eine Brücke zwischen vorreformatorischer Tradition und neuen Einflüssen aus den Niederlanden und Italien schlugen. Interessant war die tonale Spannung zwischen den nacheinander aufgeführten Werken von Jacobus Gallus und Igor Stravinsky, dessen „Ave Maria“ und „Pater noster“ die beiden längsten Werke des Abends einrahmte, J .S. Bachs „Lobet den Herrn“ und Frank Martins „Credo“ aus seiner doppelchörigen Messe, einem stilistisch wie harmonisch vielseitigen Chorwerk.

Während die stets groß schlagende Dirigentin verschiedene alte Werke in sehr bedächtigem Tempo anging, war das nicht schnelle Metrum für Bachs Motette in den halligen Mauern und dem tiefen Chorraum der Afrakirche noch zu flott. Dies lag möglicherweise auch an den etwas zu schwach besetzten und in der Höhe indifferenten Sopranen, was sich vor allem bei Bruckners bekanntem „Ave Maria“ als Mangel erwies: Dieses Werk braucht Fülle und Strahlkraft.

Einzige Überraschung im ansonsten klassischen Programm war die Motette „And I saw a new Heaven“ des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Sven-David Sandström. Wie sich ein Einklang zum Cluster aufspalten und aus diesem wieder reduzieren kann, darin und in der Herausarbeitung von diffizilen Klangstrukturen und breiten dynamischen Abstufungen zeigte sich die Professionalität der jungen Sänger, die hoffentlich bald wieder in Meißen zu hören sein werden.