Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Sächsische Zeitung, 22. November 2005

Euer Herz soll sich freuen

Konzert. Der Dresdner Kreuzchor singt das Brahms-Requiem.

Karten Blüthgen

Das Fest der Feste naht. Seit Tagen gibt es Kälte, seit Monaten Christstollen. Kaum einer kauft so früh, doch Händler scheuen, nicht anzubieten, was der Nachbar offeriert. Dezent schubst der Dresdner Striezelmarkt die Kreuzkirche. Das alte Kirchenjahr möge enden, Totensonntag vorbei sein, damit der Markt bald öffnen kann.

Viele Menschen sind gegen flache Vorweihnachtsunrast immun, Gott sei Dank. Sie suchen etwa Musik, gegen am Sonntag in die Kirche am Dresdner Altmarkt, um sich bei Brahms zu besinnen. Um der Tode und Toten dieser Welt zu gedenken. Menschliche und wirtschaftliche Opfer gibt es reichlich zu beklagen: Tsunami, Erdbeben, Hurrikans anderswo, Entlassungen hier zu Lande.

»Ihr habt nun Traurigkeit«, zitiert Brahms den Evangelisten Johannes für sein »Deutsches Requiem«. Elisabeth Scholl trifft mit ihrem grazilen Sopran den Ton, der trösten, zum Leben ermuntern soll: »Aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen.« Kreuzkantor Roderich Kreile leitete eine hörenswerte Aufführung – mit einem beweglichen, ausdrucksstarken Vokalensemble, bestehend aus Kreuzchor und Thüringischem Akademischen Singkreis. Mit einer zuverlässigen Sächsischen Staatskapelle. Mit einem hervorragend präsenten Bariton Andreas Scheibner.

Manch kleinem Kruzianer waren die Anstrengungen der 80 Minuten Brahms anzumerken. Kraft sei ihnen für die nächsten Wochen gewünscht.