Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Schwäbisches Tagblatt, 1. August 2006

Frisch und vielseitig

Der Thüringisch Akademische Singkreis der Motette

TÜBINGEN (hb). In der letzten Motette vor der Sommerpause trat am Samstagabend der Thüringisch Akademische Singkreis auf, ein seit 1969 bestehendes Ensemble, das unter seiner Leitung, Ilse Krüger, zu einer in vielen Stilen beheimateten Gemeinschaft zusammengewachsen ist. Die aus allen Teilen Deutschlands stammenden Mitglieder des Chors – es sind gegenwärtig etwa vierzig – treffen sich mehrere Male im Jahr, um ihre Konzertreisen vorzubereiten.

»Glaubenszeugnisse im Wandel der Zeit«, hieß das vielseitige, die Moderne nicht ausschließende, Programm. Es gebann bei dem Gründer der Evangelischen Kirchenmusik, Johann Walter, von dem »Wir glauben all' an einen Gott« in einer streng kontrapunktischen Version zu hören war. Ein »Ave Maria benedicta tu« von Josquin Desprez in Walters Bearbeitung folgte. Jan Pieterson Sweelincks Motette »De profundis clamavi« schloss sich an. Den selben Text hatte auch der schwedische Zeitgenosse Ingvar Lidholm in eingängiger Weise bearbeitet. Ein weiterer Schwede, Knut Nystedt, war mit »Father ihn heaven« und mit »We speak this way with you« aus den »Prayers of Kierkegaard« recht einnehmend vertreten.

Es war sehr zu begrüßen, dass auch Francis Poulencs, einen der rebellischen »Six«, hingewiesen wurde, Sein »Salve Regina« und »Seigneur, je vous en prie« aus den »Quatre petites prières de François d'Assise«, bezeugten es, dass er ungewöhnlich viel von der Stimme verstand. Mit dem kraftvollen »Credo« aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre des Schweizers Frank Martin endeten die vokalen Vorträge. Sie wurden aufs Schönste ergänzt durch das begeisternde Orgelspiel von Johannes Unger aus Leipzig. Der renommierte Bachpreisträger spielte das »Postlude pour l'office de complies« von Jehen Alain und, mit unerhörtem Schwung, Teile aus der »Symphonie pour Orgue« (op. 42,7) des großen französischen Kollegen Charles-Marie Widor.

Der stürmische Schlussbeifall galt selbstverständlich allen Mitwirkenden. Mit dem Geschenk einer Zugabe verabschiedeten sich die virtuosen Gäste.