Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Dresdner Neueste Nachrichten, 15. Januar 2007

... bleibst du auch im Leide, Jesu meine Freude

Von M. Hanns

Epiphanias-Vesper mit dem Thüringischen Akademischen Singkreis

Seit vielen Jahren ist der Thüringische Akademische Singkreis, ab 1998 unter der Leitung von Ilse Krüger-Kreile, ein echter Qualitätsgarant im Bereich der Kammerchöre und als solcher gern gesehener Gast in der Dresdner Kreuzkirche. Das Laienensemble musiziert auf stimmlich hohem Niveau, wählt ausgesuchte Programme, überzeugt durch gestalterische Intensität. Der Glaube an die Kraft des Gebetes aus verschiedenen Lebenssituationen heraus und in musikalisch sehr unterschiedlicher Weise bildeten den zentralen Gedanken dieser Vesper in der Epiphanias-Zeit. Erstes Beispiel: Eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse der protestantischen Kirchenmusik, Bachs fünfstimmige Choralmotette »Jesu, meine Freude«, die hier in brillianter Klarheit, durchsichtig im Klang und ausdrucksstark erklang. Mit sensiblen, einleuchtenden Kontrasten wurden die Variationen über das alte Kirchenlied von Johann Franck gegeneinander abgesetzt. In dieser lebendigen Interpretation nahm man die Motette in sich auf, als hörte man sie zum ersten Mal.

Wenigstens ein Schütz muss natürlich in der Kreuzkirche sein. Hier war es die Motette »Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes« aus der in den schlimmen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges geschriebenen Geistlichen Chormusik. Der TASK sang sie – ebenso wie den anschließenden Satz von Melchior Franck – mit innerlich bewegtem Tempo, perfekt in den Stimmen ausbalanciert.

Zu den Markenzeichen des Chores gehören auch die Breite des Repertoires und stilistische Makellosigkeit im Umgang damit. Die Gebete »Prayers of Kierkegaard« komponierte Knut Nystedt 1999 für vier- bis achtstimmigen Chor. Die Gemeinde erlebte eine Ballung von verzweifeltem Ausbruch, schnörkellos, aufs inhaltlich und musikalisch Wesentliche orientiert. Noch einmal eine flehentliche Anrufung Gottes, diesmal aus der Feder von Fauré, »Cantique de Jean Racine«, in der Chor und Orgel (Daniela Vogel) eine überaus klangschöne Verbindung eingingen.

Die Organistin hatte sich zuvor mit einem ganz berühmten Werk auseinandergesetzt: Bachs »Dorischer« Toccata, jenem komplizierten Wunder genialer Satztechnik. Daniela Vogel spielte mit Übersicht, hoch engagiert. Da gerieten kleinere »Stolperer« schnell in Vergessenheit.