Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Dresdner Neueste Nachrichten, 2. Juli 2007

Schumanniade erstklassig

Von Hans Peter Altmann

Eine Festwoche gibt es in Kreischa. Zu den herausragenden Ereignissen gehört die V. Schumanniade, seit Jahren den Aufenthalt der Familie Schumann 1849 in Erinnerung rufend. Das kleine Musikfest hat sich in kurzer Zeit zu einem Magneten entwickelt. Wenn es nur eines Beweises bedürfte, dann verrieten die Kennzeichen der Autos, wie großflächig die Konzerte wahrgenommen werden.

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In seiner Schumann-Biographie (Reclam 1982) schreibt Laux über das Oratorium »Der Rose Pilgerfahrt«: »... es ist wohl ... eine Ehrenrettung des Werkes nicht möglich«. Hätte er die Aufführung in der Kreischaer Kirche erleben können, hätte er sein Urzeil revidieren müssen. Da ließen schon Rang und Namen der Mitwirkenden im Voraus Großes erwarten. Und wie ist es mit der »allzu lyrischen Musik«? Zugegeben - der Text ist recht naiv-romantisch. Welche Musik aber würde dem Märchen von der Elfe aus der Geisterwelt und ihrem Schicksal besser entsprechen als jene idyllischen Bilder, jene poetische Intimität, welche die Interpreten jederzeit im Auge behielten, ohne etwa im Überrausch der Gefühle zu versinken. Geschmack und liebevolle Identifizierung bestimmten die Wiedergabe, geradezu märchenhaft dem Geschehen nachspürend. Und welche Stimmen! Die Sopranistinnen Ruth Ziesak und Gesine Nowakowski, Britta Schwarz (Alt), Lothar Odinius (Tenor) und Hanno Müller-Brachmann (Bass-Bariton) schienen sich gegenseitig zu übertreffen. Solch edlen Klang erlebt man sehr selten. Und wenn dieser sich si engagiert in den Dienst des Werkes stellt, teils an der Grenze zum Opernhaften, dann kann nur Freude herrschen. Es erklang die originale Klavierfassung. Wenn hat man einen Pianisten vom Range des András Schiff zur Hand, der Schumanns Kompetenz als Liedkomponist mitgestaltend betonte, wie auch der Thüringer Akademische Singkreis beste deutsche romantische Chortradition nobel zum Leben erweckte? Unter Peter Schreiers leitender Hand erlebten wir eine »Ehrenrettung«, der ergriffenes Schweigen folgte, ehe sich die Zustimmung in stürmischem Beifall äußerte.