Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Die Kirche, 24. Mai 2009

Musikalische TASK »Force«

von Sabine Kuschel

40 Jahre Thüringischer Akademischer Singkreis

In der Computerbranche und in der Psychologie bedeutet der Begriff »TASK« (englisch: Aufgabe) so viel wie Prozess oder Test, weckt jedenfalls Assoziationen an komplizierte Vorgänge. Und so will auch der Thüringische Akademische Singkreis seinen Namen TASK nicht nur als eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben von thüringisch, akademisch, Sing- und Kreis verstehen, sondern als Markenzeichen für hohen musikalischen Anspruch. »Der Name ist Programm. Und akademisch steht für den Willen zu musikalischen Höchstleistungen«, betont Gerhardt Uhle. Der sächsische Pfarrer war 1969 bei der Gründung des Kammerchores dabei und singt noch heute mit. Damals gestalteten einige Studentinnen und Studenten unter der Leitung von Wolfgang Unger (1948–2004) im thüringischen Bad Langensalza ein geistliches Konzert und gründeten kurz darauf den Laienchor, der in diesem Jahr sein 40-jähriges ­Jubiläum begeht. Heute kommen die Chormitglieder aus allen Teilen Deutschlands und nicht wie am Anfang vorzugsweise aus Thüringen und Sachsen. Doch dass viele ehemalige Kruzianer den Weg in den TASK finden, daran hat sich seit seiner Gründung wenig geändert. Derzeit zählt der Chor 28 Sängerinnen und Sänger.

»Der Name ist oft Gegenstand von Diskussionen«, sagt Frank Wiegand, der Vorstandsvorsitzende des Chores. »Aber wir sind mit diesem Namen bekannt geworden und haben uns deshalb entschieden, ihn beizubehalten.«

In einer Publikation über den ersten Chorleiter heißt es: »Wolfgang Unger und der TASK erwarben sich durch die Pflege der Musik Rudolf Mauersbergers ein Alleinstellungsmerkmal, das zum Markenzeichen wurde und den Chor überaus bekannt machte.«

Mit der Aufführung der »Lukas-Passion« 1977 erbrachte das Ensemble den Beweis, dass das von Mauersberger für einen Knabenchor konzipierte Werk auch von einem gemischten Chor gesungen werden kann. Heute beschäftigten sich auch andere Chöre mit den schwer zu singenden Werken Mauersbergers, erzählt Uhle. »Damals war das Pionierarbeit.«

Die Arbeitsweise des TASK: Die Sängerinnen und Sänger treffen sich jährlich zu einer zehntägigen Konzertreise und an fünf bis sechs Wochen­enden jeweils an einem anderen Ort Deutschlands. Während der Konzertreise studiert der Chor das neue Programm ein und gibt Konzerte. Die Wochenenden sind geprägt von Proben, einem Konzert und einem sogenannten Chorgottesdienst. Die Arbeitsbedingungen seien für die Chormitglieder, die alle in anderen Berufen ­arbeiten, nicht leicht, schätzt der Vorstandsvorsitzende ein. Nach einer anstrengenden Anreise sei der Freitagabend den Proben vorbehalten. »Die gehen lange«, weiß Wiegand aus Erfahrung, »und am Sonnabend ist nicht an Ausschlafen zu denken.« Doch für die Anstrengungen werden die Sängerinnen und Sänger reichlich belohnt. Uhle weiß die gute Gemeinschaft zu schätzen und weist darauf hin, dass der Name Singkreis für Geselligkeit stehe, die mit dem hohen musikalischen Anspruch gut harmoniere.

Eine akademische Bildung, wie es der Name nahelegen könnte, ist nicht Voraussetzung, um aufgenommen zu werden. »Die Sängerinnen und Sänger müssen sicher vom Blatt singen können und sollten sich im Übrigen gut in den Chor einpassen«, erläutert Wiegand die Aufnahmebedingungen.

Der Kammerchor folgt Einladungen zu großen Musikfestivals, wie dem MDR-Musiksommer und dem Leipziger Bachfest.

Der Chor hat keinen festen Standort, war nie institutionell gebunden. Diese Freiheit war in der DDR ein großer Vorteil, hatte aber den Nachteil, dass jede finanzielle und ideelle Förderung hart erkämpft werden musste. Seit der Wende ist der TASK ein gemeinnütziger Verein, der sich hauptsächlich durch Eigenbeiträge und Konzerteinnahmen finanziert.

Im Mai wurde Jörg Genslein zum neuen künstlerischen Leiter des renommierten Ensembles gewählt. Dass sich viele für diese Stelle beworben hatten, spreche für das Ansehen und die hohe musikalische Qualität des Kammerchores. »Es ist beachtlich, dass so viele Musiker mit uns arbeiten wollten«, sagt Uhle und erwähnt, dass auch der künstlerische Leiter ehrenamtlich arbeite und mit dem TASK kein Geld verdiene.

Die Konzertreise führt den Chor in diesem Jahr auf die Insel Usedom. Dort wird er den Beginn des 2. Weltkrieges vor 70 Jahren zum Anlass nehmen, um ein Programm zum Thema »Frieden« zu erarbeiten.