Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Dresdner Neueste Nachrichten, 26. Mai 2009

In sich stimmig

von M. Hanns

Jubiläumskonzert des TASK in der Dreikönigskirche

Es hat sich so manches geändert im Thüringischen Akademischen Singkreis, dem TASK, seit seiner Gründung vor 40 Jahren durch den unvergessenen Wolfgang Unger - die Besetzung hat gewechselt, die Thüringische Keimzelle erlangte längst deutschlandweite Dimensionen. Und auch am Dirigentenpult gab es Veränderungen. Seit einem Jahr leitet Jörg Genslein die Geschicke des Chores. Aber eines ist so wie eh und je - die außergewöhnliche Qualität dieses Kammerchores. Man pflegt einen sehr geschmeidigen, durchsichtigen und unverkrampften Chorklang von Ausgewogenheit, Intonationsstabilität und -sicherheit und stilistische Kenntnis vom Feinsten. Letzteres ist bei der ungewöhnlichen Bandbreite des Repertoires unverzichtbar. Mit Jörg Genslein liegen die Sängerinnen und Sänger auf einer gestalterischen und musikalischen Wellenlänge.

Für das Jubiläumskonzert stand ein typisches TASK-Programm an - das Aufeinanderprallen musikalischer Welten in brisanter, in sich stimmiger Interpretation. Schon die einleitenden Tre composizioni corali (1942-43) von Ildebrando Pizzetti präsentierten Ausdruckskraft, die die inhaltliche Aussage dieser stillen, feinen Gesänge noch verstärkte, und als Basis des beeindruckenden Chorklanges eine vorzügliche Pianokultur.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand das »Mitternachtsstük« von Mauricio Kagel, eine eigenwillige, für meinen Geschmack zuweilen auch ein bisschen veräußerlichte Auseinandersetzung des im vorigen Jahr verstorbenen Komponisten mit romantischem Gedankengut über Leben und Tod. Dazu nutzte Kagel geheimnisumwitterte, düstere Tabgebucheintragungen des jungen Schumann, mischte Chorpassagen mit einem sehr speziellen Instrumentarium, in dem neben klassischen Instrumenten auch »Geräuschträger« wie z. B. Eisenketten und Schuhe zu finden waren. Neben der expressiven Textdeutung durch Maria Husmann und weitere Solisten - z. B. Tobias Schäfer (Prinz) und aus dem Chor kommend Andreas Müller (Gustav) - fiel vor allem die Intensität der Auseinandersetzung durch den TASK ins Gewicht. Er meisterte die wirklich nicht leichten, ja extremen Anforderungen zwischen kurzen Gesangsfetzen, Sprechgesang, Summen usw. selbstverständlich und punktgenau.

Dann gab es noch ein bisschen »echte« Romantik mit Johannes Brahms' volksliedhaften Sieben Liedern op. 62 nach Texten aus »Des Knaben Wunderhorn« und von Paul Heyse. Es war der reine Genuss, dieser sehr schlichten, unpathetischen, klanglich wunderbar homogenen und lebendigen Deutung zu lauschen.

Zwei Bearbeitungen von Liedern, die eigentlich in anderem Zusammenhang bekannt sind, rundeten das Programm ab: Mahlers tief ernstes, resignatives Rückert-Lied »Ich bin der Welt abhanden gekommen«, von Clytus Gottwald für vier miteinander verschmolzene Chöre gesetzt, und das bekannte Abendlied »Verstohlen geht der Mond auf« in einer Fassung von Bernd Englbrecht.

An der Orgel der Dreikönigskirche brachte Johannes Unger sich und seine Kunst ein. Mit sehr schönen, reichen Klangfarben versehen, kam zuerst Brahms' Präludium und Fuge g-Moll zu Gehör und dann ganz prägnant die ursprünglich für Pedalflügel geschaffenen Skizzen op. 58 von Schumann.