Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Mitteldeutsche Zeitung, 14. Dezember 2009

Staatskapelle erfrischt das Gehör

Werke von Honegger, Mozart und Haydn

von Helen Hahmann

HALLE/MZ – Das Weihnachtsfest blieb für ihn ein Leben lang heilig. So zu hören im dritten Sinfoniekonzert der Saison am Sonntagvormittag in der Händel-Halle: Arthur Honeggers »Weihnachtskantate« ist kein bahnbrechend experimentelles Mundstück, das sich kontrovers mit der bürgerlich-kitschigen Jahresend-Idylle auseinander setzt. Doch es erfrischt das Gehör von den alljährlich in gleicher Form wiederkehrenden Melodien, ohne dabei mit der Tradition zu brechen.

Die »Cantate de Noël«, Honnegers letztes Werk aus dem Jahr 1953, extrahiert die Themen bekannter Advents- und Weihnachtslieder, um sie in einem Klanggewebe aus Baritonstimme, Chören, großem Orchester und Orgel neu zusammenzusetzen.

Stimmgewaltiger Singkreis

Das Werk beginnt unartikuliert: Wolfgang Kupke an der Orgel betätigt das tiefste Fußpedal und bringt die tonlose Luft im gesamten Saal der Händel-Halle zum Flattern. Wenig später setzt sich eine Prozession in Gang – sensibel-präzise von den Streichern ertastet. Aus der Ferne tauchen Männerstimmen auf – und werden weiter getragen von dazustoßenden Frauenstimmen. Der Klangteppich schwillt an. Weitere Orchesterinstrumente stimmen ein, bis ein weit gespanntes Crescendo in einem ohrenbetäubenden Akkordgewitter zerberstet.

Entscheidend getragen wurde Honeggers Kantate von den beiden mitwirkenden Chören: dem stimmgewaltigen Thüringischen Akademischen Singkreis und dem Kinder- und Jugendchor der evangelischen Paulusgemeinde.

Unentschlossene Einsätze

Vorangegangen waren Konzertarien von Mozart, in denen die Staatskapelle unter Leitung von Karl-Heinz Steffens den Solisten großen Entfaltungsspielraum einräumte. Eröffnet wurde das letzte Sinfoniekonzert des Jahres aber mit Haydns Abschiedssinfonie, in der die Streicher gefordert sind. Gerade in den beiden mittleren Sätzen fehlte es am Sonntag jedoch an Präzision. Die Einsätze waren zu unentschlossen und zu wenig spannungsreich ergriffen. Insgesamt jedoch geriet das abwechslungsreichen Programm zu einem erinnerungswürdigen und vor allem hörenswerten Höhepunkt am Jahresende.