Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Halberstädter Volksstimme, 23. Oktober 2010

Gesang auf hohem Niveau

Konzert des Thüringischen Akademischen Singkreises

von Manfred Denecke

Chorgesang auf hohem Niveau durften die zahlreich im Dom erschienenen Besucher am 16. Oktober erleben. Der Thüringische Akademische Singkreis, vor Jahren schon einmal in Halberstadt zu Gast und vielen Hörern noch in bester Erinnerung, brachte vorwiegend geistliche Musik zu Gehör.

Zu Beginn erklangen je drei Motetten von Orlando di Lasso und Francis Poulenc – nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern (welch kluger Einfall) gegenüber gestellt. Es war klangschöne, keineswegs streng polyphone Musik des 16. Jahrhunderts und tonal gebundene, nicht weniger ansprechende des 20. Jahrhunderts. Kompositionen auf ein und dieselben Texte wurden von den 24 Sängern unter der souveränen Leitung von Jörg Genslein ausdrucksvoll, absolut sicher und überzeugend dargeboten. Der Chor, das muss unbedingt hervorgehoben werden und bezieht sich auf alle gesungenen Werke, vermochte das Publikum zu fesseln durch seine Intonationsreinheit, seine ausgefeilte Technik, Ausdrucksfülle und rhythmische Präzision. Die von den Sängern vorgetragenen Antiphonien „ear for EAR“ von John Cage wirkten wie Sphärenmusik, die den Dom durchdrang.

Als kühn und mutig darf die Entscheidung der Künstler bezeichnet werden, Zwölftonmusik in das Programm aufgenommen zu haben: „Gegen den Krieg“ – Thema und Variationen von Hanns Eisler, komponiert 1936 auf einen Text von Bertolt Brecht. Ein ungemein beeindruckendes, noch immer aktuelles Werk. Der Chor interpretierte die schwierige, höchst anspruchsvolle Komposition mit leidenschaftlichem Engagement.

Den beglückenden Höhepunkt und krönenden Abschluss des Konzertes bildete Bachs fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude“, die der Thüringische Akademische Singkreis mit großer Hingabe und innerer Beteiligung bis in die kleinsten Nuancen den Zuhörern erschloss. Mit herzlichem Beifall entließ das dankbare Publikum die sympathischen Sängerinnen und Sänger in der Hoffnung, ihnen bald wieder im Halberstädter Dom lauschen zu können.