Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

13. August 2011, FW Meininger Tageblatt

Glanzpunkt des Orgelsommers

Von Alfred Erck

Einen ganz besonderen Musikgenuss erlebten die zahlreichen Besucher des Mittwochskonzerts zum Meininger Orgelsommer. Zu Gast waren der Thüringische Akademische Singkreis und Organist David Schlaffke aus Amsterdam....

Renaissance-Ideale
Der Europäer unter den Musikern seiner Zeit, also Lasso, der über 2000 Werke hinterlassen hat, wirkte beim Vortrag des Singkreises bei aller Bedrängtheit und Qual der Aussage angemessen, hoffnungsvoll, kurzum schön. Bei Lasso schimmerten noch entsprechende Renaissance-Ideale durch, denen der höchste Schmerz ästhetisch vollkommen erscheinen musste.
Wie anders hören sich die alten Texte in der Vertonung von Poulenc an! Die Menschheit hat den Ersten Weltkrieg kaum hinter sich gebracht, steht schon mit einem Bein in einem Inferno, das seinesgleichen suchen sollte. Die Worte erhalten gleichsam einen neuen Sinn, die Episoden aus der Kreuzigungsgeschichte eine erweiterte Dimension. Poulenc, der Gruppe „Six" angehörend, und als ein Mensch beschrieben, „dem die Seele eines Mönches und die eines Lausbuben inne wohne", wirkt in diesem Falle tiefgründig und keineswegs charmant-oberflächlich. Expressiv, sogar eruptiv in den Crescendi, agierten die Chorsänger. Dann höchst intensiv, schließlich mit leicht dramatisierenden Effekten bis in den Sprechgesang hinein, oft in ganz hellem Klang.

Spätwerk von Brahms
Die „Fünf Gesänge für gemischten Chor" op. 104 von Brahms gehören seiner späten Schaffenszeit an, mochten - wenn man weit her holt - ein wenig mit seinen Meininger Eindrücken, die er auch in der neuen Stadtkirche empfangen hat, zusammenhängen. Die Vertonungen der Lieder von Rücken, Kalbeck und anderen erweisen sich als textorientiert und von Resignation durchwebt. Sie handeln vom Herbst, vom Abschied, vom Verlust und vor allem von Erin­nerungen. Keine geistlichen Gesänge also, die vom Kreuzestod künden, sondern höchst intim-menschliche Gefühle waren vom Singkreis darzu­bieten.

Genau und einfühlsam
Vokalorientiert wurden die beiden Nachtwachen" vorgestellt, romanisch verklärt eben auch. Intim und innig wurde dem „Letzten Glück" und der „Verlorenen Jugend" nachgetrauert. Ruhe, die ins Verklärende changiert, obwaltete über „Im Herbst". Das deutsche Chorlied kann so schön wirken, wenn es gekonnt gesungen und von einem Chorleiter dirigiert wird, der Genauigkeit mit Einfühlsamkeit zu verbinden weiß!
...
Dieses Konzert ist wohl der Höhepunkt des Meininger Orgelsommers 2011 gewesen, der da zustande gekommen ist.