Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

31. Juli 2012, Westfalenblatt

Licht und Klang bezaubern Publikum

Auftakt des dritten Klosterfestivals an der Abtei Marienmünster

Von Dagmar Korth und Herbert Sobireg

... Das dritte Klosterfestival hat am Wochenende in Marienmünster begonnen. Die »Bach-Nacht« an der Abtei Marienmünster begann mit einem Chorkonzert im Konzertsaal der Kulturstiftung. ...

Der Niederländer Orlando di Lasso war ein Hauptmeister des späten 16. Jahrhunderts, der mit seiner universalen Schaffenskraft musikalische Juwelen schuf. Zwei kamen zu Gehör: die imaginären Christusworte »Tristis est anima mea« und »Vide homo« aus den Lagrime die San Pietro. Und da durfte man sich als Zuhörer wirklich an den ehernen Tugenden ausgefeilter Chorarbeit satt hören: Intonationsreinheit, Homogenität und eine stimmliche Disziplin, von der viele Ensembles nur träumen können. Der Chor erwies sich als ein in allen Registern wohllautender Klangkörper. So war auch das organische Strömen der Stimmen in Johann Sebastian Bachs Motette »Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« gewährleistet.

Der Eindruck einer mühelosen, aller technischen Probleme enthobenen Artikulation sowie einer äußerst sensiblen Inhalt- und Klanggestaltung war in keinem Takt getrübt.
Johann Michael Bach lebte zwei Generationen vor J. S. Bach und war weitläufig mit diesem verwandt. Sehr reizvoll ist seine Choralmotette »Halt, was du hast«. Ein Unterchor begleitet den schlichten Choralsatz des Oberchores. Dirigent Jörg Genslein konnte dem Chor soviel Zug, Differenzierung und Sensibilität abverlangen, dass die reichen Facetten eindrucksvoll ans Licht kamen und sich zu einem subtilen Glaubensbekenntnis bündelten. Prunkstücke sind auch die Chorwerke von Johannes Brahms. Obwohl religiösen Inhalts, ist die Geschichte »Vom heiligen Märtyrer Emmerano, Bischoffen zu Regenspurg« sehr volkstümlich und kraftvoll. Auch hier gestalteten die Sänger und Sängerinnen mit hingebungsvoller Intensität, ebenso wie die »Fünf Gesänge« (op. 104). Plastisch und mit Bravour agiert der rund 30 Stimmen starke Chor und fächert sehr subtil die großen Themen wie Liebe, Vergänglichkeit und Abschied auf. Poesie gepaart mit Bildkraft und Brillanz - schöner könnte man sich die fünf Brahmsschen Gesänge kaum vorstellen.

In einer kurzen Pause spielte Kathrin Engelhard aus dem wohltemperierten Klavier von J.S.Bach »Präludium und Fuge« in C-Dur - ebenfalls zur Freude des Publikums.