Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

06. August 2012, Westfalenblatt

Die Kunst, leise zu singen

Thüringischer Chor in der Münsterkirche

von Gerd Büntzly

Das zweite Nachtkonzert im Herforder Orgelsommer sah nicht nur Musik für Orgel, sondern auch einen Auftritt des Thüringischen Akademischen Singkreises unter Jörg Genslein vor.

Dieser Chor fiel am Freitagabend in der Münsterkirche durch seine ungemein musikalische Disziplin auf: er brilliert durchs "Leisesingen", durch die genaueste Anpassung aller Stimmen aneinander. Niemandem wird erlaubt, solistisch aus dem Chorklang auszubrechen. Das führte zu atemberaubend schönen Klängen. ...

Höhepunkt waren zwei Stücke aus dem 20. Jahrhundert: "Dream" von Arne Mellnäs (1933-2002), auf einen Text von E. E. Cummings (1894-1962), ein atonales Werk, das an den Frühling erinnerte. Für das Stück "Four2" von John Cage (1912-1992) verteilte sich der Chor auf vier Plätze innerhalb der großen Kirche. Auf diese Weise wurde die Zahl vier ins Quadrat erhoben, nein, sogar in die dritte Dimension gebracht, denn der Klang ertönte von oben (Empore) wie von unten (Taufkapelle).

Mit Werken von Johannes Brahms zeigte der Chor, dass seine zurückhaltende Singweise auch die romantische Tonwelt aufs Vorzüglichste darzustellen wusste. ....