Thüringischer Akademischer Singkreis e. V.     
 

Robert Schumann (1810–1856)
Der Rose Pilgerfahrt

Märchen nach einer Dichtung von Moritz Horn
für Soli, Chor und Orchester op. 112

Erster Teil

Nr. 1

Sopran I

Die Frühlingslüfte bringen
den Liebesgruß der Welt,
des Eises Bande springen,
es grünt das öde Feld.

Sopran I und II

Die ersten Blumen tauchen
aus grünem Wiesenplan,
und schau'n mit Kindesaugen
uns frühlingsgläubig an.
Im maiengrünen Kleide,
mit Blüten reichgestickt,
hat sich zur Osterfreude
ein jeder Baum geschmückt.

Sopran I, II und Alt

O sel'ge Frühlingszeit!
du trocknest stille Tränen,
die unsres Herzens Sehnen
geweint im tiefsten Leid.
In manche Winterbrust
tönt auch dein Sonntagsläuten.
Und mancher Keim der Freuden
erwacht zu neuer Lust!

Nr. 2

Tenor solo

Johannis war gekommen,
der Erde Hochzeitstag,
wo sie als Braut am Herzen
des lieben Frühlings lag.

Die stille Nacht umschleiert
den Schlummer der Natur,
das blasse Licht des Mondes
durchwandelt Hain und Flur.

Die kleinen Blättchen schwirren
kaum hörbar in dem Baum,
um Schilf und Wasserblumen
schwebt Schlaf und Abendtraum.

Alt solo

Was ist auf jener Wiese
für zauberischer Sang
und unter'm Frühlingsgrase
für wunderlicher Klang?

Nr. 3 Elfenreigen

Chor der Elfen

Wir tanzen, wir tanzen
in lieblicher Nacht,
bis der Tag vom Schlummer
morgenrot erwacht,

Bis vom Tau die Blume
neues Leben trinkt,
hochauf, liederselig,
die Lerche sich schwingt.

Nr. 4

Tenor solo

Und wie sie sangen, da hören sie
eine zarte, klangende Melodie.
Flugs hält der Tanz, der wirr gerauscht,
und Alles auf das Liedchen lauscht.

Rose

Frühling ist nun wieder kommen,
hat gerufen: »Auf, erwach!«
Was soll mir das Blühen frommen,
der das Herz vor Sehnen brach?

Wenn die Mädchen mit mir kosen,
wenn von Liebe singt ihr Lied,
klag' ich, daß uns armen Rosen
nie ein Liebesfrühling blüht.

Fürstin der Elfen

Du töricht Kind,
du wünschest dir der Liebe Lust,
wohl dir, daß du von ihren Schmerzen
bis diesen Frühling nicht gewußt.

Rose

Ich möcht' es tragen, alles Weh,
ich fühl' mich stark.

Fürstin der Elfen

Du, Röslein, du?
Verlassen willst du unser Reich?
wo Glück und Frieden ewig walten?

Rose

O laß mich eine Jungfrau werden,
laß lieben mich, den Mädchen gleich!

Fürstin der Elfen

Verlangst du's, Röslein, nun wohlan!
Die Menschen nennen auf der Erden
die Mädchen ja der Rose Bild;
zum Mädchen soll die Rose werden,
und also sei der Spruch erfüllt!

Und eine Rose sollst du tragen,
gefeit von mir zu deinem Heil;
wer sie besitzt, der Erde Freuden,
die reinsten, werden ihm zuteil.

Doch merke wohl: entfällt sie jemals deiner Hand,
so wirst du aus dem Leben scheiden;
doch bange nicht! ein Frühlingshauch wird dich
als Rose zurück ins Heimatland geleiten.

Chor der Elfen

Wir tanzen, wir tanzen etc.

Nr. 5

Tenor solo

So sangen sie; da dämmert's schon,
ein Vogel singt im Morgenschlummer,
die Welt erwacht zu neuer Lust,
zu neuem Schmerz, zu neuem Kummer.

Und wie ein Blitz verschwunden sind
der Elfen luft'ge Scharen,
nur auf der Wies' ein Silberstreif
verrät noch, wo sie waren.

Auf schlägt das schöne Rosenkind,
wie träumend noch, das Augenpaar.
Ein duftdurchfrischter Morgenwind
wirft Apfelblüten ihr ins Haar;

Ein Röslein morgenangeglüht,
am Busen, vielbedeutend, blüht.

Rose

Wo bin ich? Ist's Wahrheit, ist's ein Traum?
Nein. nein, es ist kein Zauberbild;
mein Herzenswunsch ist mir erfüllt,
als Mädchen wandelnd auf der Erden,
werd' ich durch Liebe glücklich werden.

Tenor

Sie steigt den Hügel still hinauf;
da tut vor ihren Blicken
das weite Tal sich prangend auf,
begrenzt von Waldesrücken.
Erreicht ist bald des ersten Hauses Tür.
Sie tritt hinein und bittet freundlich hier
um Obdach.

Nr. 6

Rosa

Bin ein armes Waisenkind,
dem seine Lieb'n gestorben sind.

Marthe

Habt ihr ein Zeugnis, einen Schein,
daß man euch trauen mag?

Rosa

Ach nein!
Wenn euch mein Bitten nicht bewegt.

Marthe

Das Mitleid saure Früchte trägt,
hat man im Haus erst Euresgleichen,
pflegt Ruh' und Frieden d'raus zu weichen,
geh' du nur fort!

Rosa

O, nehmet auf mich mildgesinnt!
Ich will euch lohnen, was ihr tut
an mir, mit meinem Herzensblut.

Marthe

Versprechen läßt sich viel mit Worten,
geht, pocht dort an des Nachbars Pforten!
Geht, fort!

Nr. 7

Tenor solo

Es war der Rose erster Schmerz!
Trostbittend schaut sie himmelwärts;
und weiter unter Abendglüh'n
wallt still die Blumenkönigin.

Ein einsam Häuschen, unscheinbar,
nimmt jetzt ihr Auge wieder wahr.
Am Friedhof liegt es angelehnt,
vom Fliederbaume rings verschönt;

Durch's off'ne Tor ragt Kreuz und Stein,
verklärt vom goldnen Abendschein.
Sie tritt hinein, da steht ein Greis,
gebückt das Haupt, wie Silber, weiß;

Er gräbt, den Spaten in der Hand,
ein Grab ins grüne Land.

Rosa

Für wen ist's Grab, hier tief und klein?

Totengräber

Für uns'res Müllers Töchterlein.

Rosa

O arme Schwester, tief beklagt!

Totengräber

Ein schwerer Tod, ein Tod voll Schmerzen,
zu sterben an gebroch'nem Herzen!

Rosa

Wie soll ich mir dein Reden deuten?
Bringt treue Liebe solche Leiden?

Totengräber

Wer heiß geliebt und ward betrogen,
der hat ein Todeslos gezogen,
er wird befreit von seinen Schmerzen
nur an der Erde Mutterherzen.

Rosa

O Schwester, tief beklagt!

Totengräber

Doch sieh, da kommt mit Trauersang
der Leichenzug den Weg entlang,

Nr. 8

Chor

Wie Blätter am Baum,
wie Blumen vergeh'n
wie Blütenflaum
die Winde verweh'n

So geht vorbei
des Lebens Mai,
eh' wir's denken, deckt das Grab,
was das Leben Liebes gab.

Rose

O Schwester, tief beklagt!

Chor

Wir werfen in dein frühes Grab
die Blumen betend still hinab.

Totengräber

Sei dir die Erde leicht!

Chor

Der Erde geben wir zurück
dich, unsre Hoffnung, unser Glück.

Eine Altstimme

Sei dir die Erde leicht!

Rosa

Schlummre sanft!

Chor

Schmerz ging mit uns ans Grab hinaus,
Schmerz geht mit uns ins Trauerhaus!

Rosa

Ruh' sanft!

Nr. 9

Tenor solo

Die letzte Scholl' hinunterrollt,
die letzte Träne ward gezollt;
und still nach Haus gewandelt sind,
die zur Ruh geleitet des Müllers Kind.

Auch der Totengräber verläßt den Ort,
nur das Mädchen kniet noch am Grabe dort.
Schon glänzet aus tiefblauem Himmel
der Sterne gold'nes Glanzgewimmel;

Das Mondlicht lauscht durch's Laub der Linden,
als sucht's was Liebes es zu finden.
Die Pilg'rin hebt sich jetzt empor,
und wandelt nach des Kirchhofs Tor.

Totengräber

Wo willst du hin? Feucht wird die Nacht.

Rosa

Mich leuchtet heim der Sterne Pracht.

Totengräber

Denk', Kind, es sei des Vaters Bitte:
verweil' die Nacht in meiner Hütte,
das Wenige, was mir gehört,
sei dir, mein Kind gewährt.

Rosa

Hab' Dank, mit neuer Lebenslust
erfüllt dein freundlich Wort die Brust,
ich folg' dir, bis zum Morgenschein
will ich dein Gast, mein Vater, sein.

Totengräber

Du siehst, schmucklos ist mein Wand.

Rosa

Das Kränzchen dort am weißen Band?

Totengräber

Das gilt mir wohl als höchstes Gut;
mein liebes Weib, das draußen ruht,
trug diesen Kranz im blonden Haar,
als mein sie wurde am Altar.

Doch laß die Toten ruh'n,
sie haben Frieden nun.
Uns stelle Gott die Engelwacht
zu uns'rem Schlaf in dieser Nacht.

Rosa

Behüt' sie euch, wie alle Guten!

Totengräber

Schlaf' sanft!

Nr. 10 Gebet

Rosa

Dank, Herr, dir dort im Sternenland,
da führtest mich an Vaterhand,
und in der Leiden Becher fiel
ein Himmelstropfen, süß und kühl;

Nun wolle Ruh' der Müden schenken,
daß ich gestärkt dem jungen Tag,
was er auch bring', entgegenblicken mag!
Ob sie wohl mein gedenken?

Chor der Elfen

Schwesterlein!
Hörst du nicht beim Sternenschein
unser Lied,
hörst du nicht die Glöckchen fein,
Rosenblüt'? Hörst du nicht beim Sternenschein
das Elfenlied?

Laß' dich nicht berücken,
kehr' zu uns zurück,
hoffe nicht auf Glück!

Nur bei uns, im Reich der Elfe,
wohnt die Lust,
aber Schmerz und Leiden
in der Menschenbrust.

Schwesterlein! Klingt in deinen Traum hinein
nicht unser Gruß?
Fühlst du nicht im Mondenschein
unsern Kuß?

Laß' dich nicht berücken,
kehr' zu uns zurück,
hoffe nicht auf Glück!

Wähnst du, daß auf Erden
wohne dauernd Glück?
In der Schmerzensträne
stirbt der Freude Blick.

Röslein, komm' zurück,
hoffe nicht auf Glück,
komm' zurück!

Zweiter Teil

Nr. 11

Tenor solo

Ins Haus des Totengräbers
fällt durch die Fensterlein,
umrankt vom Efeugitter,
der holde Morgenschein.

Es weckt mit leisem Gruße
der Greis die Pilgerin.

Rosa

Hab' Dank für deine Güte,
nun will ich weiterzieh'n,
und woll' die Hände legen
aufs Haupt, mein Vater, mir,
beglückt mit deinem Segen,
nur so geh' ich von dir.

Totengräber

O glücklich, dreimal glücklich ist,
wer dich als seine Tochter küßt;
hör' meine Bitte: folge mir,
ich gebe treue Eltern dir.

Tenor solo

Die Rose sinkt an seine Brust,
sie grüßt des Lebens erste Lust.

Nr. 12

Frauenchor

Zwischen grünen Bäumen
schaut des Müllers Haus,
wie der Sitz des Friedens,
auf das Tal heraus.

Waldbachs wilde Woge
treibt das rasche Rad,
das, wie Liebessehnen,
niemals Ruhe hat.

In dem Gärtchen neben
schmückt die Frühlingslust
sich mit frischen Blumen
Locken, Haar und Brust.

Grüne Efeuranke
hat die Gartenwand,
mit dem Blätternetze
zierlich überspannt.

Nr. 13

Tenor solo

Von dem Greis geleitet,
mit dem Sonnenstrahl,
kommt die Mädchenrose
jetzt zur Mühl' im Tal.

Totengräber

Auf dieser Bank, von Linden beschattet,
harre mein!

Rosa

Gesegne Gott den Schritt!
So soll das höchste Glück auf Erden,
das heiß ersehnte, mir doch werden,
teilnehmen wird an meinem Schmerz,
an meiner Lust, ein Elternherz?

Totengräber

Komm, liebes Kind, zu uns herein!

Müller

Wie, ist es Täuschung, ist es Schein?

Müllerin

Der Tochter gleicht sie auf ein Haar.

Rosa

Mir ist so selig wunderbar.

Totengräber

Nun, lieben Leute, hatt' ich Recht?

Müller

Bewährt ist stets, was Ihr auch sprecht.

Totengräber

Ist's nicht ein schmuckes Mägdelein,
der Rose gleich, so zart und fein?

Müller

Aus ihren Augen spricht es laut:
wohl bin ich wert, daß ihr mir traut.

Müllerin

So fülle denn in Brust und Haus
den leeren Platz der Toten aus!

Rosa

O Wonne, O du Himmelslust,
ihr nehmt mich an die Elternbrust,
nehmt meiner Liebe ganzen Schatz,
nur laßt mir diesen teuren Platz.

Müller und Müllerin

O Wonne, O du Himmelslust,
wir halten dich an uns'rer Brust,
wir geben dir den besten Platz,
sei deine Liebe uns Ersatz.

Totengräber

O Wonne, O du Himmelslust,
sie ruht an treuer Elternbrust,
so wird ihr doch an diesem Platz
für manches Leiden nun Ersatz.

Nr. 14

Tenor solo

Bald hat das neue Töchterlein
der Eltern ganzes Herz,
und um die Heimgegang'ne bleibt
nur noch der Wehmut Schmerz.

Im ganzen Dörfchen, weit und breit,
ist Kein's, das sie nicht liebt,
im ganzen Dörfchen, weit und breit,
nicht Eins, das sie betrübt.

»Schön Röschen«, seufzt wohl manches Herz,
»du süße Augenlust,
ach, dürft' ich ruhen wonniglich
an deiner blühn'den Brust!«

Nr. 15

Männerchor

Bist du im Wald gewandelt,
wenn's drinn'n so heimlich rauscht,
wenn aus den hohen Büschen
das Wild, aufhorchend, lauscht?

Bist du im Wald gewandelt,
wenn drinn'n das Frühlicht geht,
und purpurrot die Tanne
im Morgenscheine steht?

Hast du da recht verstanden
des Waldes zaub'risch Grün,
sein heimlich, süßes Rauschen,
und seine Melodie'n?

O Herz, wenn dir die Erde
nicht hält, was sie versprach,
wenn Lieb' und Treu' die Schwüre
in arger Falschheit brach,

Dann komm', ruft's aus dem Wald,
komm' her in meine Ruh',
mein leises, kühles Rauschen
küßt deine Wunden zu.

Bist du im Wald geblieben,
wenn's still zum Abend wird,
nur durch die dunklen Tannen
der letzte Lichtstrahl irrt;

Bist du im Wald geblieben,
wenn sich das Mondenlicht
wie eine Silberbinde
um jedes Bäumchen flicht;

Hast du da, an dem Herzen
des Waldes angedrückt,
nicht selig froh zum Himmel
dein Nachtgebet geschickt?

O Herz, wenn dich die Menschen
verwunden bis zum Tod.
dann klage du dem Walde
vertrauend deine Not.

Dann wird aus seinem Dunkel,
aus seinem Wundergrün,
beseligend zum Herzen
des Trostes Engel zieh'n.

Nr. 16

Alt solo

Im Wald, gelehnt am Stamme,
am alten Eichenbaum,
da weilt der Sohn des Försters,
versunken wie ein Traum.

Er hat des Müllers Töchterlein
so lieb, wie keiner mehr,
und wandelt nun im süßen Traum
vom Liebesglück einher.

Fragt wohl die Sternenblumen,
fragt sie wohl Tag für Tag,
und will dem »Ja« nicht glauben,
das das Orakel sprach.

Nr. 17

Frauenchor

Der Abendschlummer
umarmt die Flur,
in Liebeskummer
wacht Röslein nur,

sie schaut hinein
in die Mondesnacht
und hat voll Sehnen
an ihn gedacht.

Da klingt sein Lied
heraus vom Wald,
daß Frühlingslust
in's Herz ihr schallt.

Max

Ich weiß ein Röslein prangen,
im holden Frühlingsschein,
das möchte so gern ich fragen:
willst du mein Röslein sein?

Rosa

Schlaf' wohl, du lieber Sängersmann!

Max

Und wenn ich komm' zu fragen,
da schaut mich's freundlich an,
da ist's mit einem Male
um meinen Mut getan.

Rosa

Schlaf' wohl, du lieber Sängersmann,
dein Röslein blüht für dich.

Max

Sagt dir nicht das Herz im Busen,
du Rose voller Frühlingsschein:
»Ich will nie eines And'ren,
denn nur sein Röslein sein.«

Rosa

Komm' nur recht bald, Herzliebster fein,
komm bald zu ihm und sprich.

Max

»Ich will nie eines Andren,
denn nur sein Röslein sein.«

Rosa

Ich will dein Röslein werden,
mein Frühling werde du,
komm, weck' mich mit deinen Küssen,
mich aus der Winterruh'.

Max

Sagt dir nicht's Herz im Busen,
du Ros' voll Frühlingsschein:
»Ich will nie eines And'ren,
denn nur sein Röslein sein.«

Nr. 18

Chor

O sel'ge Zeit, da in der Brust
die Liebe auferblüht,
und morgenhell das Angesicht
in ihrer Wonne glüht.

Nr. 19

Bass solo

Wer kommt am Sonntagsmorgen
im festlich grünen Kleid?
Es ist der Sohn des Försters,
der um Schön-Röslein freit.

Und als der Müller fraget,
was wohl ihr Herzlein spricht,
birgt sie an seinem Busen
verschämt ihr Angesicht;

umschlingt mit beiden Armen
fest den geliebten Mann;
so schlingt sich an die Eiche
der Efeu gläubig an.

Nr. 20

Frauenchor

Ei Mühle, liebe Mühle,
wie schaust so schmuck du heut',
du trägst, geziert mit Blumen,
das schönste Sonntagskleid!

Du hast selbst deine Giebel
mit Kränzen reich geschmückt,
so froh hast du noch nimmer
in's Tal hereingeblickt.

Ei Waldbach, wie manierlich
trollst du am Haus vorbei!
Du fleißig Rad der Mühle,
bist du heut' arbeitsfrei?

Ei Knappen, liebe Knappen,
wie seht so schmuck ihr heut',
ihr tragt verziert mit Bändern
das schönste Sonntagskleid!

Ihr habt die neuen Hüte
mit Blumen reich geschmückt,
und sie kokett manierlich
schräg auf den Kopf gedrückt!

Ei Knappen, warum feiern
am Wochentage heut',
das fleiß'ge Rad der Mühle,
und ihr die fleiß'gen Leut'.

Nr. 21

Chor

Was klingen denn die Hörner
im Morgendämmerschein,
was bringen sie ein Ständchen
vor ihrem Kämmerlein?

Hochzeit wird gefeiert!
Wörtlein, ach so süß,
Schlüsslein zu dem trauten
Eheparadies!

Hochzeit wird gefeiert!
Röslein, auf erwach'!
Fei're froh noch deinen
letzten Mädchentag!

Sopran solo

Die Kirchenglocken klingen,
und vor des Heilands Bild,
hat sich aus ihrem Traume
die Wahrheit schön enthüllt.

Frauenchor

Den Bund der treuen Herzen
hat Priestermund geweiht,
den Schwur der treuen Liebe
schrieb ein die Ewigkeit.

Nr. 22

Chor

Im Hause des Müllers,
da tönen die Geigen,
da springen die Burschen
im wirbelnden Reigen,

Da klingen die Gläser,
schallt Hussah darein.
Hochzeit wird gefeiert,
Wörtlein ach so süß.

Im Hause des Müllers,
da zittert die Diele,
es drängt sich und hebt sich
im bunten Gewühle,

Und alles jauchzt: Hussah,
hoch Bräut'gam und Braut.
Hochzeit wird gefeiert,
Wörtlein ach so süß.

Nr. 23

Tenor solo

Und wie ein Jahr verronnen ist,
sein Knöspchen zart Schön-Röslein küßt,
es ruht gewiegt von Mutterlust,
mit Augen blau, an ihrer Brust.

Es lächelt und die Händchen langen,
als wollt's die Mutterlieb' umfangen;
sie aber schaut durch Tränenflor
mit heißem Dank zu Gott empor,

Nimmt still die Ros', ihr Lebenspfand,
und gibt's dem Kindlein mit zitternder Hand.

Rosa

Nimm hin mein Glück, du kleines Herz,
ich geh' beseligt heimatwärts;
mein ward der Erde Seligkeit,
nach dieser gibt es keine Freud';

leb' wohl, mein Kind, du treuer Mann,
zu End' ist meine Pilgerbahn,
ich scheide ohne Schmerz und Weh',
weil ich im Glück von hinnen geh';

Das ist kein bleicher, schwarzer Tod,
das ist ein Tod voll Morgenrot!

Tenor solo

Und wie sie noch so leise spricht,
verlöscht der Augen Frühlingslicht.

Nr. 24

Engelstimmen

Röslein!
Zu deinen Blumen nicht,
zu uns, zu höh'rem Licht
schwing' dich empor,

Damit du schaust
von Himmelshöh'n,
wie dein Knösplein zart
blüht und gedeih't,
Daß einstens empfangst du's,
wenn es die Rose
unbefleckt dir zurücke bringt!
Sei uns gegrüßt,
liebliche Rose!

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